Tablet Computing – mehr Interaktion, mehr Eigenverantwortlichkeit, mehr Motivation mit „neuer“ Technik?

Just wenige Wochen nach dem Verkaufsstart des neuen iPads (16.03.2012) in Deutschland befasste sich die Live Session vom 9. Mai 2012 des OPCO 2012 mit dem Thema Tablet Computing.  „Angespitzt“ durch diesen Frühjahrsverkaufsevent und das ganze „Drumherum“  besitzt das zweite Thema einen „besonderen“ Aktualitätenbezug: die folgende Liste (aus dem Horizon Report 2012 sowie der Live Session)  umreißt in meinen Augen die wichtigsten Inhaltsaspekte:

  • Haptisch-orientierte und intuitive Handhabung, schneller Einstieg in den Arbeitsmodus, große Bandbreite von Funktionalitäten (Lesegerät für Bücher & Co., Fotoarchiv, Browser für Mails und Internet etc.) sowie der Rückgriff auf die gleichen Devices, Tools und Apps im privaten Lebensbereich zählen zu den Erfolgskriterien dieses Gerätetyps.
  • Mit Tablets stehen Lernmaterialien, digitale Lehrbücher und sonstiges Informationsmaterial sowie selbst erstellte Daten den Lernenden jederzeit zur Verfügung (US-Universitäten gehen hierzu über). Sie entsprechen damit der Entwicklung in unserer Informationsgesellschaft  alles jederzeit und überall  verfügbar haben und nutzen zu wollen.
  • Der Einsatz von Tablet Computern hat nicht nur ein höheres Engagement der Studierenden zur Folge, sondern verbessert auch deren Lernerfahrungen (laut US-Studien).
  • Eins-zu-Eins-Ausstattung unterstützt den angestrebten Lernprozess und –erfolg.  Eine individuelle Einrichtung des Gerätes  mit den für den eigenen angestrebten Lernzuwachs eingerichteten Dateien, Links, Tools etc. bildet damit wohl den persönlichen Lernweg und Arbeitsmodus ab. Das Kürzel BYOD (Bring your own device) spiegelt diesen Trend bzw. dieses Bedürfnis wieder.
  • Im europäischen Raum findet derzeit Tablet Computing am ehesten Einsatz im Bereich der frühen Bildung (Kindergarten, Vorschule und Primarbereich). Offensichtlich gibt es für diesen Bildungsbereich derzeit bereits gut einsetzbare Lernszenarien.

Die aufgeführten Aspekte sind durch meine eigenen Erfahrungen im E-Learning-basierten Unterricht nachvollziehbar und bestärken mein persönliches Fortbildungsinteresse am E-Learning über den originären Fachbereich hinaus.

Noch interessanter wird für mich das Thema Tablet Computing im Hinblick auf das Schlagwort Collaborative Idea Developpement als Lernen mit und durch Kooperation. Zweifellos lassen sich auch in herkömmlicher Manier (Papier und Bleistift) in einer Gruppe Ideen sammeln, Wissensstoff abbilden und neue Themeninhalte erarbeiten. Allein die Vorteile der digitalen Materialbearbeitung und –verwaltung laufen – stehen die Gerätschaften und das Know-how zur Verfügung – der traditionellen Arbeitsweise den Rang ab. Über Technik könnte also Interaktion noch effektiver und leichter modifizierbar gemacht werden, so dass Synergien im Lernprozess, aber auch andere, sonst ungewohnte Perspektiven genutzt werden. Als Beispiele für eine derart interaktive Form von Brainstorming und/oder Structuring lassen sich Werkzeuge wie Mindmeister, Etherpad, Gliffy, Prezi u.a. anführen.

Aber noch weiter gedacht: Lernprozesse gewinnen für die Lernenden dadurch möglicherweise auch ein Mehr an Eigenverantwortlichkeit (auch innerhalb einer Gruppe), was wiederum als Motivationsschub für jeden weiteren Schritt dient.

All diese Überlegungen rücken damit erneut das bereits oben genannte Schlagwort Bring your own device ins Zentrum der  zukünftigen Entwicklung. Heißt für mich: Wann werden wir eine Schule (Sekundarstufe I und II) erleben, in der BYOD bereits in der breiten Masse der Schülerschaft gelebt wird? Und wird die Lehrerschaft dafür gerüstet sein???

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Gamebased Learning – spielend lehren, aber wie?

„Spiele bieten im Unterricht neuartige Erfahrungsräume, kognitive Herausforderungen, motivierende Anwendungsfelder für erworbenes Wissen und neue kommunikative Aufforderungen.“ Dieses Zitat aus einer Publikation zu einem digitalen GBL-Projekt an der Donau-Universität Krems (http://issuu.com/michaelgwagner/docs/2008_wagner_mitgutsch_endbericht_dsdgbl, 08.06.2012) hätte vor einigen Jahren ebenso für ein Unterrichtskonzept … Weiterlesen

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Learning Analytics – mehr als ein „Überwachungstool“

„Digital Big Brother“, Coaching, Qualitätsmanagement – mit diesen drei Schlagwörtern lassen sich die Gefahren, aber auch die Ziele und Chancen von Learning Analytics umschreiben.

Durch den Hinweis auf das Erheben von Daten wie z.B. Nutzungsdauer, Anwesenheit/Häufigkeit, Beteiligungsgrad und Ergebnisse der Lerner in Relation zur Nutzung der E-Kurse drängen sich unwillkürlich Gedanken an Überwachungsstrukturen à la Orwell auf. Angesichts von Datenschutz wäre zu klären: Welche Daten müssen wirklich erhoben werden? Wie werden diese Daten verwaltet, geschützt, wer hat Zugriff darauf? Wie lange werden sie archiviert? Ist eine anonymisierte Erhebung in Anbetracht der weiteren grundsätzlichen Ziele überhaupt wünschenswert?

Andererseits sollen aus gerade diesen Daten Erkenntnisse für künftige Lernarrangements durch die Bildungsinstitution bzw. den  – u.U. auch kommerziellen – Anbieter sowie für die neu- bzw. andersartige Organisation des Lerners gewonnen werden.

Damit reihen sich LA in Konzepte des Qualitätsmanagements mit Selbst- und Fremdevaluation ein, die inzwischen in den Schulen Einzug gehalten haben. Letzten Endes wird hiermit für digitale Lernszenarien ein Tool in Aussicht gestellt, das den Lehr- und Lernprozess auf der Metaebene ins Visier nimmt. Vorausgesetzt die Beteiligten machen sich in ihrem Arbeitsprozess Reflexion als grundsätzliche Haltung bzw. Themeninhalt eines jeden Lern- und Entwicklungsprozesses zu Eigen. Ist dies der Fall, können LA durch ihre zukunftsorientierte Zielsetzung als Bereicherung für eine gezielte Weiterentwicklung von persönlichem Arbeitsstil, von zur Verfügung gestellten Arbeitsmedien und Lernarrangements fungieren – eine Chance, die es sicher wert macht, sich mit den Gefahren im Bereich des Datenschutzes problemlösend auseinanderzusetzen.

So bleibt zum Schluss für Schulen die Frage nach der Realisierbarkeit: Wer stellt das Know-how für LA zur Verfügung? Welche Trainings brauchen Lehrer von heute für das Lehren von morgen? Welche Kosten sind zu erwarten? Wer übernimmt diese? Wie können kritische Stimmen (z.B. aus den Elternhäusern) überzeugt werden?

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